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24.10.2018 Tag 33: Longreach – Augathella: Krokodil und Wolle

Wir hätten nie erwartet, dass Longreach so viel zu bieten hat. Die Tage vor Ort waren mehr als gefüllt mit Aktivitäten. Trotzdem war es heute an der Zeit weiterzuziehen. Wir müssen jetzt wirklich schauen bald an die Küste zu kommen, sonst wird wirklich die Zeit knapp.

Heute sahen wir echte „Stockmen“, die das Vieh trieben. Das erfolgt heute nicht mehr auf Pferden, sondern ganz modern auf Motorrädern. 😊 Sie winkten uns ganz freundlich und wir freuten uns.

In Thargomindah fragte ich die Dame von der Tankstelle wo man denn sehen könnte wie Schafe geschoren werden. Sie sagte mir damals, dass wir nach Blackall fahren sollten. Hier soll es möglich sein so etwas zu sehen. In Longreach hätten wir auch die Möglichkeit gehabt eine „Station“ bzw. ein „Homestead“ zu besuchen, aber das erschien uns sehr touritisch. Die Tour wäre weit über 4 Stunden gegangen mit Kutschfahrt etc., aber für die Kinder wäre das sicher eine Tortur gewesen. Auch im Hinblick auf den Preis, stand das im keinen Verhältnis zum Angebot. Für diese Entscheidung einfach zu warten, wurden wir heute belohnt.

Allerdings kamen wir vor Blackall durch Isisford und wir erlebten als ersten Tagespunkt etwas ganz Anderes. In Isisford wurde zufällig in einem Stein, dass Fossil von einem „Ur-Krokodil“ gefunden. In Isisford selber wurde eigens dafür ein Museum errichtet.

Und wie sollte es auch anders sein, waren wir wieder mal die einzigen Gäste. Es ist gerade „low-season“ hier, aber nach den Aussagen der Leute, ist das während der Hochsaison ganz anders. Kein Vergleich. Australier, die im Süden wohnen entfliehen zwischen April und September den Winter und kommen dann in die warmen Regionen des Landes. Wir sind einfach glücklich, dass wir anscheinend den richtigen Zeitraum für die Reise nach Australien gewählt haben. 😃

Wir wurden mit einem Film begrüßt und wir lernten, dass man sich hier nicht im Nirgendwo befindet, sondern im Überall. 😉 (you are not in the middle of nowhere, you are in the middle of everywhere)

Danach gingen wir durch die Ausstellung und bewunderten nicht nur die Fossilien des Krokodils, sondern auch von Fischen. Das Fossil des Fisches wurde auch nur durch Zufall gefunden. Während der Ausgrabung des Krokodils, fand eine Teilnehmerin in der Nähe einen Stein sehr schön und sie spaltete ihn einfach. Zum Vorschein kam das Fossil des Fisches. Wirklich sehr interessant. Glück muss haben. 🍀

Bis zum Mittagessen fuhren wir noch bis nach Blackall und machten vor der „Wollscour“ erstmal Mittagspause. Zur nächsten vollen Stunde fand eine Führung statt und daran nahmen wir Teil. Auch hier wieder dasselbe Bild wie in Isisford. Wir waren wieder die einzigen Gäste. Aber es wurde uns versichert, dass das normalerweise ganz anders aussieht und pro Stunde ca. 80 Personen durchgehen. 😱

Hier waren wir also nun in den heiligen Hallen einer Wollfabrik oder Wollwäscherei. An diesem Ort wurden an 363 Tagen (außer Karfreitag und Weihnachten) Schafe geschoren und die Wolle anschließend gewaschen und fertig für den Export gemacht. Ich glaub ich war heute im Himmel.

Die Führung startete wieder mit einem Filmchen. Wir wurden aufgeklärt, dass es in ganz Australien 52 solcher „Wollscours“ gibt, aber sie ist die Einzige, die so intakt ist, dass die Maschinen noch funktionieren. Deshalb wurde sie in das „Engineer Heritage“ aufgenommen. (sollte man von dort was mitgehen lassen wollen, drohen Strafen bis zu 600.000 Dollar) Von 1908 bis 1920 wurde sie errichtet und war bis 1978 aktiv. Es ist den Einwohnern von Blackall zu verdanken, dass notwendige Reparatur- und Modernisierungsmaßnahmen nach der Schließung durchgeführt wurden. Man ging sogar als Gemeinschaft in die Politik und bat um Fördergelder.

Unser „Guide“ führte uns zuerst zu dem großen Wassertank, der Wasserdampf produziert. Mit dem wurden die Maschinen für die Schafscherer angetrieben. Das Museum verdeutlicht wirklich die Industrialiserung und den Zugewinn für die Gemeinschaft. Wurden die Schafe vor 1915 noch mit der Schere geschnitten, so wurden sie nun geschert. Es gab einen Test bei dem ein Scherer 3 Schafe schnitt und danach wurden die 3 Schafe nochmal mit der Maschine bearbeitet. Es konnte noch 1 kg Wolle heruntergeschoren werden und letzte Kritiker verstummten.

Die Scherer wurden pro Schaf bezahlt und waren daran interessiert so viele Schafe wie möglich zu scheren. Ein sogenannter „gun schearer“ schafft bis zu 392 pro Tag.

Ist ein Schaf fertig geschoren, wird seine Wolle auf einem Tisch ausgebreitet und klassifiziert. Dreckige Stellen werden entfernt und die Wolle ging rüber zum Waschen. Dort wurde die Wolle in 4 Waschgängen gewaschen. Im ersten Gang wird Wasserdampf von 60 Grad hinzugefügt. Das darf nicht heißer sein, sonst verfilzt die Wolle und geht ein. Im zweiten Waschgang wird Waschmittel zugefügt. Der dritte und vierte Waschgang sind zum Klarspülen gedacht. Danach geht die Wolle in den „Trockner“.

Ist der Waschvorgang abgeschlossen wird alles für den Transport vorbereitet. D.h. die Wolle wird in Säcke gepresst und beschriftet. Die Säcke werden auf ein Förderband gelegt und unten wartete bereits der „LKW“.

Diese Führung war wirklich klasse, denn hier sahen wir echte australische Geschichte. Die goldenen Jahre der Wolle gab es in den 20ern und Blackall profitierte davon. Mittlerweile haben viele „Stockmen“ auf Rinder umgestellt, da die Bestände sicherer vor den Dingos sind. Außerdem war der Wollpreis sehr gesunken. (Aktuell ist er so hoch wie nie, die Wollverarbeitung wurde aber nach China ausgelagert) Lustig ist auch, dass die Schafe in so einer Hitze ein tolles Fell entwickeln, aber kaum einer hier strickt. Aber das ist klar, denn bei der Hitze braucht niemand eine Wollmütze. 😂

Wir bedankten uns für die tolle Führung und machten uns wieder auf den Weg Richtung Küste. Da wir km machen wollen, ist es wichtig zu fahren. Die Straßen gehen hier teilweise stur geradeaus und deshalb hat sich die Regierung etwas tolles einfallen lassen. Wer macht mit? 😂

Übrigens musste sich Christof heute Morgen keine 5 Minuten von Longreach entfernt einer Alkoholkontrolle unterziehen. Es war morgens halb 10.😂 Wir verstehen auch nicht wie sich Australier bei den Preisen betrinken können. 🤣 Jedenfalls war das seine erste Kontrolle und wenn es eben nicht in Europa ist, dann wenigstens in Australien. 😂

Gegen 18 Uhr kamen wir in Augathella an. Diesen Ort muss man auch besuchen wollen, denn er liegt abseits der Hauptstraße. Wir wurden freundlich begrüßt und bezogen heute wieder eine „Cabin“.

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Ein Kommentar zu “24.10.2018 Tag 33: Longreach – Augathella: Krokodil und Wolle

  1. 1…5*****Sterne Plus für das Foto Liselotte mit Mama! Die Anderen natürlich auch nebst Bericht 👍😍. Was denken die Aussies sich eigentlich, Christof vormittags auf Unterhopfung zu kontrollieren!? 😂 LG Roli

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